Die Weideflächen

Kleine und mittelgroße Porphyrhügel bilden einen Großteil der Weideflächen, wie zum Beispiel die Porphyrhügel bei Landsberg und Niemberg sowie am Petersberg im Saalekreis.

 

Kalktrockenrasen und Magerrasen auf anderen geologischen Untergründen werden bei Lieskau, nahe der Brachwitzer Fähre, bei Wettin oder bei Knapendorf beweidet. Ebenso sind einige alte Streuobstwiesen im Dieskauer Park und bei Kütten in das Flächenkonzept eingebunden.

 

Für das Projekt ausgewählt wurden insbesondere Weideflächen mit großem Artenreichtum bzw. mit einer besonderen Ausstattung an seltenen und gefährdeten Arten.

 

Die Beweidungspflege konzentriert sich gezielt auf FFH-Lebensräume auf isoliert gelegenen Splitter­flächen. Diese sind meist von geringer Größe und weit voneinan­der entfernt gelegen. Deshalb können diese Weideflächen durch Haupter­werbs­schäfer oft nicht rentabel bewirtschaftet werden.

 

Aus diesem Grunde wurden die meisten unserer Weideflächen vor Projektbeginn schon lange nicht mehr genutzt oder gepflegt. Einige Flächen waren sogar schon seit mehreren Jahrzehnten brachgefallen und deshalb stark mit Bäumen oder Sträuchern zugewuchert. Auf diesen Flächen waren vor Beginn der Beweidung umfangreiche Freistellungsarbeiten nötig (Gehölzentnahme).

 

Nach mehrfacher Erweiterung sind inzwischen 34 separate Weideflächen in das ELER-Beweidungsprojekt integriert. Sie nehmen insgesamt eine Fläche von ca. 24 Hektar ein. Nahezu sämtliche Weideflächen sind im historischen Saalkreis gelegen. Sie konzentrieren sich östlich von Halle auf das Umfeld von Landsberg und Niemberg und im Norden von Halle auf die Umgebung des Petersbergs. Weitere Projektflächen befinden sich westlich/nordwestlich von Halle bei Brachwitz, bei Wettin und bei Lieskau. Wenige einzelne Weideflächen wurden auch aus dem Südraum von Halle in das Projekt integriert: diese liegen bei Dieskau, Knapendorf und Raßnitz.

Die Lebensräume

 

In der Umgebung von Halle (Saale) als Teil des Mitteldeut­schen Trockengebietes haben sich bedeutsame Vorkommen artenreicher Magerrasen und Heiden erhalten, welche zahlreichen seltenen und geschützten Tier- und Pflanzenarten Rückzugs­räume bieten.

 

Im Zentrum des NABU- Beweidungsprojektes steht die Pflege der folgenden Habitate, welche als so genannte FFH-Lebensräume unter dem besonderen Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union stehen:

 

o     Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (LRT 6210)

 

o     Subpannonische Steppen-Trockenrasen (LRT *6240)

 

o     Kalk-Pionierrasen (LRT *6110)

 

o     Trockene europäische Heiden (LRT 4030)

 

o     Silikatfelskuppen mit Pionier­vege­tation (LRT 8230)

 

Auf den NABU-Weideflächen treten diese Lebensräume oft eng miteinander verzahnt auf. Allen diesen Lebensräumen ist gemeinsam, dass sie auf nährstoffarmen, meist relativ flachgründigen Untergründen vorkommen und sich im Sommer relativ stark erwärmen und austrocknen (so genannte „xerotherme“, also trocken-warme Lebensräume).

 

Für ihren Erhalt sind diese FFH-Lebensräume auf eine regelmäßige extensive Nutzung oder Pflege durch Beweidung angewiesen. Beweidung mit Schafen / Ziegen stellt zumeist die ursprüngliche Ursache für die Entstehung dieser überdurchschnitt­lich arten­reichen Lebens­räume dar und ist daher zugleich die am besten geeignete Management­methode für ihren Erhalt.

 

Zusätzlich wurden auch einige alte Streuobstwiesen in das Beweidungsprojekt integriert. Als „Doppellebensraum“ im Zusammenwirken von Wiese und Baumhain stellen Streuobstwiesen einen besonders artenreichen Lebensraum dar, der bei uns vor allem infolge von Brachfallen und Entwicklung zu Wald sehr stark zurückgegangen ist.

Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia)

(FFH-LRT 6210)

 

Die Kalkmagerrasen sind besonders artenreiche und buntblütige Grasländer auf basenreichen Böden. Sie wachsen auf flachgründigen, nährstoff­armen Standorten, die sich im die Sommer stark erwärmen und austrocknen. Die charakteristischen Pflanzen der Kalkmagerrasen sind meist von niedrigem Wuchs und sehr licht­be­dürftig.

 

Im Projektgebiet gedeihen diese Magerrasen auf den Hügeln der Halleschen Por­phyr­­landschaft, auf Kalk- und Buntsandsteinhängen sowie auch auf quartär- oder tertiärzeitlichen Sanden und Kiesen. Zu den charak­teristischen Pflanzenarten dieses Lebensraums gehören die Gräser Fiederzwenke, Furchen­schwingel und Wiesenhafer sowie – um nur wenige zu nennen – die Kartäuser-Nelke, die Zypres­sen-Wolfsmilch, der Wiesen-Salbei und das Kleine Mädesüß. Die Kalkmagerrasen bilden vor allem im Frühjahr ausgesprochen attraktive und buntblütige Bestände, nach niederschlagsreichen Sommern kann es aber auch im September noch einmal sehr bunt zugehen.

 

Besonders schützenswert sind die Kalkmagerrasen als Refugien für zahlreiche seltene und gefährdete Pflanzen- und Insektenarten. Auf unseren Weideflächen gehören dazu z.B. die Goldhaar-Aster (Galatella linosyris), der Blauweiderich (Veronica spicata) und die Großblütige Braunelle (Prunella grandiflora) sowie verschiedene Tagfalter. Als ausgesprochene Raritäten und regionale Besonderheiten treten auf einigen Weideflächen das Kleine Knabenkraut (Orchis morio) und die Duftskabiose (Scabiosa canescens) auf.

 

Unter den Naturnahen Kalk-Trockenrasen werden die besonderen Bestände mit bemerkenswerten Orchideen durch die FFH-Richtlinie als prioritäre Lebensräume unter besonders strengen Schutz gestellt. Auf den NABU-Weideflächen sind solche prioritären Bestände z.B. auf dem Spitzberg bei Landsberg und auf dem Küsterberg bei Brachwitz ausgebildet.

 

Gefährdet sind die Kalkmagerrasen vor allem durch gänzlich ausbleibende Nutzung oder aber eine zu hohe Nutzungsintensität sowie durch Nährstoff­ein­träge (Eutrophierung).

Subpannonische Steppen-Trockenrasen

(FFH-LRT 6240*)

 

Die Subpannonischen Steppen-Trockenrasen ähneln stark den Naturnahen Kalk-Trockenrasen (FFH-LRT 6210), von denen sie sich durch das verstärkte Auftreten von Pflanzenarten der ost- und südosteuropäischen Steppen­vegetation unterscheiden. Kennzeichnende Steppenarten dieses Lebensraumtyps sind insbesondere Pfriemengras (Stipa capillata) und Walliser Schwingel (Festuca valesiaca); im Saaletal ist außerdem das Bartgras (Bothriochloa ischoemum) weit verbreitet und manchmal vegetationsbestimmend. Kennzeichnende Stauden sind z.B. die Feinblättrige Schafgarbe (Achillea setacea), das Schmalblütige Träubel (Muscari tenuiflorum), der Illyrische Hahnenfuß (Ranunculus illyricus) und die Zottige Fahnenwicke (Oxytropis pilosa).

 

Die Steppenrasen wachsen auf basenreichen Böden auf sommerlich stark austrocknenden und sich erwärmenden südseitigen Hängen. In der Umgebung von Halle finden sich geeignete Lokalitäten für Steppenrasen meist auf Lössstandorten über Kalkgestein oder auf Porphyrkuppen.

 

Auf den Weideflächen des NABU kommen Steppenrasen u.a. auf den Kalkhängen bei Lieskau und bei Wettin vor sowie auf den Porphyrkuppen bei Niemberg und bei Brachwitz. Besonders attraktiv sind die Steppenrasen im Frühjahr während der Blütezeit des Frühlings-Adonisröschens (Adonis vernalis).

 

Die Subpannonische Steppen-Trockenrasen gehört nach der europäischen FFH-Richtlinie zu den prioritären Lebensräumen, die aufgrund ihrer Seltenheit und Bedeutung für die Artenvielfalt einem besonders strengen Schutzregime unterliegen.

Lückige basophile oder Kalk-Pionierrasen     (Alysso-Sedion albi)

(LRT 6110*)

 

Diese besondere Rasenausbildung auf Extremstandorten über Kalkgestein kommt recht selten vor und wird überwiegend aus sukkulenten und annuellen Pflanzenarten aufgebaut. Wegen der Lückigkeit der Vegetation nehmen Moose und Flechten, z. B. die sogenannten Bunten Erdflechten, eine stärkere Rolle ein.

 

 

 

Auf unseren Projektflächen gibt es Vorkommen an der südseitigen, felsigen Hangschulter des Kalkhanges oberhalb der Pögritzmühle bei Wettin und an kleinen südseitigen Zechsteinkalkfelsen nahe der Brachwitzer Fähre.

 

 

 

Die Vegetation wird fast ausschließlich von an äußerst trockene Standorte angepasste Besonderheiten aufgebaut, beispielsweise Blau-Schwingel (Festuca czeghegyensis), Berg-Gamander (Teucrium montanum) oder Pferde-Sesel (Seseli hippomarathrum). An der Pögritzmühle treten das überwiegend im nördlichen Mittelmeerraum verbreitete Nadelröschen (Fumana procumbens) und die Zwerg-Steppenkresse (Hornungia petraea) hinzu. Zusätzliche Besonderheiten des Hanges nahe der Brachwitzer Fähre sind Berg-Lauch (Allium lusitanicus) und das auf sehr kleine Teile von Mittel- und Südosteuropa beschränkte Badener Rispengras (Poa badensis).

 

 

 

Die Kalk-Pionierrasen gehören nach der europäischen FFH-Richtlinie ebenfalls zu den prioritären Lebensräumen, die aufgrund ihrer Seltenheit und Bedeutung für die Artenvielfalt einem besonders strengen Schutzregime unterliegen.

 

Silikatfelskuppen mit ihrer Pioniervegetation

(FFH-LRT 8230)

 

Dieser Lebensraumtyp bildet sich auf flachgründigen Felsstandorten und Felsgrus auf silikatischem Gestein aus. Die dort auftretende lückige Pioniervegetation wird aufgrund der Trockenheit oft durch dickblättrige Pflanzen wie Mauerpfeffer-Arten oder winterannuelle Pflanzen sowie zahlreiche Moose und Flechten geprägt.

Im Projektgebiet kommt dieser Lebensraum auf den Kuppen der Halleschen Porphyrlandschaft vor, wo er nur die flachgründigsten Felsstandorte besiedelt. Zu den charakteristischen Pflanzen der Pioniervegetation gehören hier z.B. Frühlings-Hungerblümchen (Draba verna), Blau-Schwingel (Festuca czeghegyensis), Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella) und der Sand-Thymian (Thymus serpyllum).

 

Attraktive Farbtupfer auf den Silikatfelskuppen bilden im Frühjahr die violetten Blüten der Gewöhnlichen Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris); als botanische Raritäten bzw. seltene / gefährdete Arten kommen die Astlose Graslilie (Anthericum liliago) der Felsen-Goldstern (Gagea bohemica) und das Ohrlöffel-Leimkraut (Silene otites) vor. Ganz besonders im Fokus des Projektes sind die Vorkommen des Glatten Brillenschötchens (Biscutella laevigata), einer bei uns als Eiszeitrelikt geltenden Pflanzenart.

Trockene europäische Heiden

(FFH-LRT 4030)

 

Die vorwiegend in der atlantischen Klimazone beheimateten baumarmen oder baumlosen Zwergstrauchheiden sind im Mitteldeutschen Trockengebiet durch eine kontinentale Variante vertreten, die sich bei stärkerer Sommertrockenheit auf nährstoffarmen sauren Böden ansiedelt. Die Vegetation der Trockenen Heiden wird stark vom Heidekraut (Calluna vulgaris) dominiert, dem Gräser wie Schaf-Schwingel (Festuca ovina), Dreizahn (Danthonia decumbens) und Rotes Straußgras (Agrostis capillaris) sowie Kräuter wie Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), Hunds-Veilchen (Viola canina) und Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella) beigemischt sind.

 

Heiden zeichnen sich zudem durch eine teilweise stark spezialisierte Tierwelt insbesondere unter den Wirbellosen aus, zu der u.a. spezialisierte Heuschrecken,- Zikaden- und Käferarten gehören.

 

In der Halleschen Porphyrlandschaft kommen die Trockenen Heiden vorwiegend auf den nordexponierten Hängen der Porphyrkuppen vor. Im Projektgebiet sind Heiden z.B. auf Weideflächen auf den Porphyrhügeln bei Niemberg und Landsberg und am Petersberg anzutreffen.

 

Die Trockenen Heiden sind für ihren dauerhaften Fortbestand auf eine regelmäßige Pflege durch Beweidung – bevorzugt mit Schafen – angewiesen. Ohne Pflege würden sich die Heiden langfristig zu bodensauren Eichenwäldern entwickeln.

Streuobstwiesen

 

Eine Sonderstellung unter den NABU-Weideflächen nehmen Streuobstwiesen ein. Durch ihre Doppelnutzung sind sie eine besondere Kulturform. Sie dienen nicht nur dem Obstanbau, sondern werden auch als Weide oder Wiese genutzt.  

 

Dadurch ist ein einzigartiger Doppellebensraum im Zusammenwirken von Wiese und Baumhain entstanden. Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Biotopen in Mitteleuropa. Bis zu 450 Pflanzen- und 3.000 Tierarten finden hier ihren Lebensraum.

 

Gerade die alten, hohlen Bäume gewähren Eulen oder dem Wendehals und anderen Höhlenbrütern einen Unterschlupf. Nahrung finden sie sowohl in der Wiese als auch in Borke, Zweigen oder anderen Teilen der Obstbäume. Ausgesprochen vielfältig ist auch die Insektenwelt der Streuobstwiesen, zu der u.a. ein großer Artenreichtum an Käfern, Wespen, Hummeln und Bienen gehört.

 

Seine Blütezeit hatte der Streuobstanbau Mitte des 19. Jahrhunderts. Seitdem sind die Streuobstbestände in Deutschland um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. In Sachsen-Anhalt sind Streuobstbestände weniger durch Intensivierung oder Rodung als durch Brachfallen, Gehölzeinwanderung und Waldentstehung verschwunden oder aktuell gefährdet. Auch ein Teil unserer Pflegeflächen stand fast unmittelbar davor, als Wald zu gelten.  

 

Zu den Pflegeflächen des NABU-Beweidungsprojektes gehören mehrere alte Streuobstwiesen am Petersberg, bei Kütten sowie im Dieskauer Park.

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