Kirschhang Krosigk

Zwischen Krosigk und dem Drehlitzer Holz zieht sich ein schmaler, nach Nordwest geneigter Hangstreifen durch die wellige Ackerflur. Auf ihm stehen alte und teils abgängige Kirschen. Der Unterwuchs war einst größtenteils von Halbtrockenrasen bedeckt. Als Folge jahrzehntelanger Brache breiteten sich allerdings fast auf ganzer Fläche Gehölze aus, so dass sich bis 2010 vielfach Vorwaldstadien entwickelt hatten. Seitdem wird der Südteil der Fläche wieder schafbeweidet und sukzessive vom Gehölzanflug befreit. Inzwischen sind teilweise wieder Halbtrockenrasen mit Besonderheiten wie Deutschem Alant (Inula germanica) und Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) sowie Übergangsstadien zu beweidetem Frischgrünland und bodensauren Magerrasen entwickelt. Die Fläche unterscheidet sich von den Porphyrmagerrasen der Umgebung, weil hier quartärzeitliche Lockergesteine anstehen. Außerdem ist es möglich, dass sie Teil der in diesem Raum bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts viel ausgedehnteren Waldungen war. Jedenfalls deuten einige Waldrelikte wie Moschusblümchen (Adoxa moschatellina), Echte Sternmiere (Stellaria holostea), Echter Ehrenpreis (Veronica officinalis) und die wohl seit einigen Jahren verschwundene, im Großraum Halle seltene Blutwurz (Potentilla erecta) darauf hin. Allerdings boten die Wälder im 18. und 19. Jahrhundert nach Waldweide, Mittel- und Niederwaldwirtschaft und den wohl viel geringeren luftbürtigen Stickstoffeinträgen sicher ein anderes Bild als heutige Wälder und boten zahlreichen licht- und halbschattenliebenden Insekten- und Pflanzenarten geeignete Bedingungen, die in heutigen geschlossenen, schattigen und von üppiger Bodenvegetation geprägten Wäldern längst verschwunden sind. Von daher sind halboffene, extensiv genutzte Habitate inzwischen oft die günstigeren Lebensräume für zahlreiche ursprünglich als Waldbewohner geltende Arten.

 

Auf den weiter nördlich auf dem Hang anschließenden Vorwaldbereichen ist die Verwaldungstendenz so weit vorangeschritten, dass wir hier von einer Wiederaufnahme der Beweidung und einer Gehölzbeseitigung Abstand nehmen.

 

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