Porphyrhügel bei Landsberg

In einem Streifen von Hohenthurm bis Landsberg durchbrechen mehrere Porphyrhügel die umgebende intensiv ackerbaulich genutzte flache Landschaft, von denen insbesondere der Spitzberg, der Gützer Berg (früher auch Reinsdorfer Berg genannt) und der Pfarrberg die Umgebung 20 – 30 m überragen. Der Kapellenberg ist noch höher, liegt inmitten des Stadtgebietes von Landsberg. Vor allem die drei erstgenannten Hügel beherbergen trotz umfangreicher Aufforstungen in den 1950er Jahren (nach anderen Quellen in den 1940er Jahren) noch immer wertvolle Bestände von Magerrasen, Heideflächen und Felsfluren. Diese landschaftliche Ausstattung wie auch das Bemühen um eine Verhinderung von bis in die 1990er Jahre mehrfach verfolgter Pläne zur Einrichtung von Steinbrüchen führten zur Unterschutzstellung als Landschaftsschutzgebiet. Die verbliebenen Offenlandlebensräume dieser drei Porphyrkuppen einschließlich des Lebensraumes des Kleinen Knabenkrautes (Orchis morio) sind Hauptfokus der Meldung als europäisches Schutzgebiet des Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“ („FFH-Gebiet 0181 Porphyrkuppen bei Landsberg“). Dabei stellt der Spitzberg eine Porphyrkuppe mit einem prähistorischen Hügelgrab auf der Hauptkuppe dar und besitzt vor allem auf der südlichen Nebenkuppe noch recht ausgedehnte Magerrasen. Seine standörtliche Vielfalt wird durch 3 Altsteinbrüche jeweils an der Nord-, Südost- und Südwestseite bereichert. Neben großen Beständen des Felsen-Goldsterns (Gagea bohemica), des Ährigen Blauweiderichs (Veronica spicata) und der deutschlandweit sehr seltenen Lebermoosart Riccia ciliifera sind vor allem die Vorkommen des Bauernsenfes (Teesdalia nudicaulis) bemerkenswert. Dies ist ein winterannueller Frühblüher armer Sandstandorte z. B. in Brandenburg und im Norden Sachsen-Anhalts, der hier als Ausnahme auf flachgründige Porphyrstandorte siedelt. Auf dem Spitzberg sind größere Bereiche ehemaliger Magerrasen durch ausgedehnte Bestände von Land-Reitgras sowie zwischenzeitlich abgeschnittene, aber immer wieder nachtreibende Schneebeeren-Gebüsche erheblich beeinträchtigt.

 

Südwestlich fast an Landsberg angrenzend liegt der eigentlich aus zwei flachen Kuppen bestehende Pfarrberg. Hier sind Magerrasen vor allem noch am westlichen Ende sowie im Umfeld der eiszeitlichen Gletscherschliffe am östlichen Ende vorhanden. Ansonsten überwiegen Sekundärwaldbereiche; Altsteinbrüche fehlen bis auf einen sehr kleinen Altsteinbruch an der Nordostseite. Auffällig ist neben den Gletscherschliffen ein kleiner Fleck mit Lössauflage auf dem Felsgestein: hier haben Erd-Segge (Carex humilis) und Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) ihre einzige Vorkommen auf den Landsberger Hügeln. Der Bereich sticht im Frühling und im Sommer wegen Arten wie Kleines Mädesüß (Filipendula vulgaris), Berg-Klee (Trifolium montanum) oder Grauer Skabiose (Scabiosa canescens) und dem damit verbundenen Blütenreichtum gegenüber der Umgebung heraus. Auf den benachbarten Felsen wächst Blau-Schwingel (Festuca glaucina)

 

Der Gützer Berg westlich von Landsberg ist von den drei Hügeln am stärksten vom Gesteinsabbau in Anspruch genommen worden; im Wesentlichen ist nur noch die westliche und nördliche Hälfte übrig geblieben. Diese Teile tragen überwiegend Sekundärwald; nur an der Südwestseite bestehen noch offene Teilbereiche mit Magerrasen. Hier breitet sich allerdings die Robinie zu Lasten der Offenbereiche weiter aus.

 

Eine weitere bemerkenswerte kleine Kuppe, die allerdings nicht zum FFH-Gebiet zählt, liegt nordöstlich des Spitzberges nördlich der Straße Hohenthurm – Landsberg. Wenngleich auch hier Teile der Kuppe durch Nährstoffeintrag und langjährige Brache nur noch gestörte Vegetation tragen, beherbergt die kleine Kuppe ein bedeutendes, stark isoliertes Vorkommen des Schmalblättrigen Milchsterns (Ornithogalum angustifolium).

 

Die Magerrasen der Porphyrkuppen werden seit 2010 (am Spitzberg sogar schon seit 2009) ein- bis zweimal jährlich von den NABU-Schafen abgeweidet. Nachdem diese Magerrasen als Folge von Aufforstung, Brache und Nährstoffeinträgen seit Jahrzehnten sehr stark zurückgegangen sind, ist inzwischen wenigsten kleinflächig eine Umkehr dieser Entwicklung eingetreten. Besondere Bedeutung erlangt dieses Gebiet als Vorposten von Lebensräumen, die in östlicher Richtung weiträumig völlig fehlen. Mehrere hier aktuell vorkommende Pflanzenarten sind im benachbarten Sachsen vollständig ausgestorben, weitere besitzen erst im Elbhügelland um Meißen wieder einzelne Vorkommen. Auch für zahlreiche Insektenarten trockenwarmer Lebensräume sind die Magerrasen der Landsberger Porphyrhügel bedeutende Verbreitungsinseln.

 

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